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LEBENSBAUM

Zehn Sephiroth der Kabbala — von der reinen Absicht bis zur Erde unter den Füßen.

Der Lebensbaum ist eine Karte, die beschreibt, wie irgendetwas von der reinen Absicht bis zur fertigen Sache gelangt — und ebenso den Weg zurück. Die zehn Sephiroth sind die Stufen dieses Abstiegs, und die drei Säulen sind die drei Kräfte, die einander darin halten: Geben, Begrenzen und das Gleichgewicht zwischen beiden.

Der Lebensbaum von null an — was eine Sephira ist und wozu das Ganze gut ist

Die Kabbala ist eine jüdische mystische Tradition, die in schriftlicher Form ab dem 12. Jahrhundert auftaucht und sich im 16. Jahrhundert in Safed voll entfaltet hat. Der Lebensbaum ist ihr bekanntestes Bild — zehn Kreise, verbunden durch zweiundzwanzig Linien. Das ist kein Symbol zur Zierde; es ist ein Schema, das beschreibt, wie irgendetwas von der reinen Absicht zur fertigen Sache gelangt.

Eine Sephira (Plural Sephiroth) ist eine dieser zehn Stufen. Das Wort hängt mit dem hebräischen „zählen“ und auch mit „leuchten“ zusammen. Stell dir eine Reihe von Gefäßen vor, durch die Licht fließt: Jedes verdichtet es ein wenig und gibt ihm Form, bis aus der reinen Absicht am Anfang am Ende eine konkrete Sache wird. Deshalb steht oben Keter — die Krone, reiner Wille ohne Form — und unten Malkuth, das Königreich, also Materie, Körper und Geld.

Die drei Säulen sind das Praktischste am ganzen Baum. Die rechte Säule ist die Gnade — Geben, Ausdehnen, Großzügigkeit. Die linke ist die Strenge — Grenze, Form, die Fähigkeit, Nein zu sagen. Und die mittlere Säule ist das Gleichgewicht zwischen beiden. Wesentlich ist, dass keine der beiden äußeren Säulen gut oder schlecht ist: Gnade ohne Grenzen verwöhnt und schadet am Ende, Strenge ohne Gnade erstarrt und zerstört. Die gesamte kabbalistische Ethik beruht darauf, dass diese beiden Kräfte einander halten müssen.

Die zweiundzwanzig Pfade zwischen den Sephiroth entsprechen den zweiundzwanzig Buchstaben des hebräischen Alphabets — und in der westlichen hermetischen Tradition auch den zweiundzwanzig großen Arkana des Tarot. Diese Verbindung ist ursprünglich nicht jüdisch; hinzugefügt haben sie im 19. und 20. Jahrhundert Okkultisten im Umfeld der Golden Dawn. Wir sagen das, weil es oft als Bestandteil der Kabbala dargestellt wird, und das ist es nicht.

Und jetzt das, was gesagt werden muss: Die Zuordnung einer Sephira zum Geburtsdatum ist unsere Regel, nicht die Kabbala. In der Kabbala werden Sephiroth überhaupt nicht nach der Geburt zugeordnet — sie ist ein System darüber, wie die Schöpfung funktioniert, kein Horoskop. Wir haben über die Zahl des Lebenswegs eine Brücke gebaut, damit man einen Anfang zum Lesen hat. Nimm es als Tür in dieses System, nicht als Aussage über dich.

Wenn du aus dem ganzen Baum eine einzige Sache mitnehmen sollst, dann diese: Jede Sephira hat eine Tugend und ein Laster, und das sind zwei Seiten derselben Kraft. Chesed ist Großzügigkeit und zugleich Völlerei. Geburah ist Mut und zugleich Grausamkeit. Das sind nicht zwei verschiedene Dinge, zwischen denen du wählst — es ist eine Sache, je nachdem, wie viel davon da ist. Genau dasselbe sagen die Gene Keys über Schatten und Gabe, nur in einer anderen Sprache.

1Keter — Krone2Chokhmah — Weisheit3Binah — Verständnis4Chesed — Gnade5Geburah — Stärke6Tiphareth — Schönheit7Netzach — Sieg8Hod — Herrlichkeit9Yesod — Fundament10Malkuth — Königreich

Geburtsdatum — für die persönliche Lesung

Zehn Sephiroth

Das ist aus der Tradition übernommen und lässt sich zitieren — Namen, Reihenfolge, Säulen und die klassischen Zuordnungen von Planeten, Tugenden und Lastern.

1

כתר · Keter — Krone

Mittlere Säule · Erste Bewegung

Keter ist der Punkt, an dem noch nichts geteilt ist. Er lässt sich nicht beschreiben, denn jede Beschreibung ist bereits eine Teilung. In der Praxis ist es der Moment, in dem ein Mensch weiß, dass er etwas will, aber noch nicht weiß, was — reiner Wille zu sein.

Tugend: Vollendung des Werks · Laster: keines — jenseits des Lasters

2

חכמה · Chokhmah — Weisheit

Säule der Gnade · Tierkreis

Chokhmah ist der Blitz — ein Einfall, der ganz auf einmal kommt und noch keine Worte hat. Es ist das männliche, gebende Prinzip: ein reiner schöpferischer Funke, der für sich allein nichts aufbaut, solange ihn nicht etwas auffängt und ihm Form gibt.

Tugend: Hingabe · Laster: keines

3

בינה · Binah — Verständnis

Säule der Strenge · Saturn

Binah ist das Gefäß. Sie nimmt den Blitz aus Chokhmah und gibt ihm Grenzen, Namen und Struktur — ohne sie würde der Einfall verlöschen. Sie ist das weibliche, empfangende Prinzip und zugleich die erste Strenge: Jede Form ist auch eine Begrenzung.

Tugend: Schweigen · Laster: Geiz

4

חסד · Chesed — Gnade

Säule der Gnade · Jupiter

Chesed ist die offene Hand — Güte, Großzügigkeit und Lust zu wachsen. Es ist die angenehmste Sephira des Baumes und gerade deshalb gefährlich: Gnade ohne Grenzen verwöhnt und schadet am Ende dem, dem sie helfen wollte.

Tugend: Gehorsam · Laster: Heuchelei, Völlerei

5

גבורה · Geburah — Stärke

Säule der Strenge · Mars

Geburah ist die zurückgezogene Hand — eine Kraft, die begrenzt, richtet und entfernt, was im Weg steht. Menschen fürchten sie, weil sie wehtut, aber ohne sie würde Chesed ins Nichts zerfließen. Gesunde Geburah ist keine Grausamkeit; sie ist die Fähigkeit, eine Grenze zu wahren.

Tugend: Mut, Gehorsam · Laster: Grausamkeit, Zerstörung

6

תפארת · Tiphareth — Schönheit

Mittlere Säule · Sonne

Tiphareth ist die Mitte, in der alles andere zusammenläuft — die einzige Sephira, die sich direkt mit sechs weiteren verbindet. Es ist der Ort des Einklangs, des Opfers und des bewussten Ich. Dort, wo Chesed gibt und Geburah nimmt, weiß Tiphareth, wann was.

Tugend: Hingabe an das große Werk · Laster: Stolz

7

נצח · Netzach — Sieg

Säule der Gnade · Venus

Netzach ist die Kraft des Gefühls und der Ausdauer — das, was einen Menschen zur Schönheit, zur Liebe und zu einer Sache treibt, die er nicht erklären kann. Es ist kein Verstand; es ist ein Zug. Ohne sie wäre der Baum genau und tot.

Tugend: Selbstlosigkeit · Laster: Wollust

8

הוד · Hod — Herrlichkeit

Säule der Strenge · Merkur

Hod ist der Geist, der die Dinge benennt, ordnet und erklärt. Er ist das Gegengewicht zu Netzach: Wo das Gefühl zieht, fragt der Verstand warum. Gesunder Hod ist redliches Denken, kranker Hod ist ein Erklären, mit dem ein Mensch verdeckt, was er wirklich will.

Tugend: Wahrhaftigkeit · Laster: Unehrlichkeit

9

יסוד · Yesod — Fundament

Mittlere Säule · Mond

Yesod ist die letzte Station, bevor sich irgendetwas in der Materie zeigt — der Ort der Träume, der Bilder und des Unbewussten. Alles, was von oben kommt, sammelt sich hier und tritt von hier aus ins Leben. Deshalb heißt es: Wer etwas in der Welt verändern will, muss es zuerst in Yesod verändern.

Tugend: Unabhängigkeit · Laster: Müßiggang

10

מלכות · Malkuth — Königreich

Mittlere Säule · Erde

Malkuth ist die Erde unter den Füßen — Körper, Geld, Arbeit, das, was man anfassen kann. In der Kabbala ist es nicht die niedrigste und schlechteste Sephira, sondern die einzige, in der sich überhaupt etwas wirklich tun lässt. Deshalb wird sie niemandem als persönliche zugeordnet: In ihr stehen alle.

Tugend: Unterscheidungsvermögen · Laster: Geiz, Trägheit

Drei Säulen

Säule der Gnade

Die rechte Säule — Ausdehnung, Geben, Vergeben. Eine Kraft, die öffnet und austeilt. Für sich allein würde sie ins Uferlose zerfließen, deshalb braucht sie ein Gegengewicht.

Säule der Strenge

Die linke Säule — Begrenzung, Form, Urteil. Eine Kraft, die Grenzen hält und Nein sagt. Für sich allein würde sie alles zusammenziehen und erstarren lassen, deshalb braucht sie ein Gegengewicht.

Mittlere Säule

Die Mitte — das Gleichgewicht zwischen Geben und Halten. Hier führt der Weg nach oben und nach unten, und gerade diese Säule ist in der Praxis die schwerste, weil sie nirgendwohin ausweichen kann.